Hier der Bericht eines Menschen, der sich nicht locken lies:
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An einem Freitag rief mich eine Freundin an und fragte mich, ob ich sie nicht am Sonntag begleiten können. Sie wolle mich in einen Schenkkreis einführen. Von Schenkkreisen hatte ich noch nie gehört und fragte, was das sei. Meine Freundin antwortete, dies sei ein Kreis von interessanten Menschen, die sich gegenseitig beschenken. Zuerst schenke man 5000 Euro und wenige Wochen später bekäme man selbst von acht Schenkern insgesamt 40.000 Euro geschenkt. Am Sonntag sei nun meine Freundin die Schenkerin. Mein erster Gedanke: Toll, 40.000 Euro könnte ich gebrauchen. Mein zweiter Gedanke: Wer shenkt mir einfach so 40.000 Euro? Wo kommt diese Geld denn her?

Am Sonntag klärten sich die Fragen schnell. Noch unterwegs schwärmte meine Freundin von den Leuten dort. Schenken sei so etwas herrliches. Geben sei eben besser denn Nehmen und man selbst werde ja überreich beschenkt. Zunächst sei da die Freude des Schenkens und schließlich bekäme man ja ein vielfaches des Einsatzes zurück. Das Universum gleiche Gutes im Übermaß mit Gutem aus. Aha, dachte ich. “Wo kommt denn das Geld her?” fragte ich. Meine Freundin erklärte mir, daß je Runde 8 Personen jeweils 5000 Euro an einen Glücklichen schenken. Danach teile sich der Kreis. Der Beschenkte scheide aus und 8 neue Schenker träten ein. Ich fragte weiter, woher die Schenker kämen. Natürlich, so meine Freundin, würde niemand gezwungen neue Schenker zu finden. Alles sei vollkommen freiwillig. Andererseits könne das Schenken nur laufen, wenn neue Schenker gefunden würden. Selbstverständlich träten viele Beschenkte wieder als Schenker auf und dann gäbe es ja auch das Sponsoring! “Sponsoring?” fragte ich. “Ja, wenn eine keine 5000 Euro aufbringen kann, kann sie auch weniger geben”. 2500 Euro, so meine Freundin,.würden aber erwartet. Den Rest übernehme ein Beschenkter. Schließlich gelte es als achtbar, niemanden von seinem Glück fern zu halten. Außer denen, die weniger als 2500 Euro haben, dachte ich schnell, denn jetzt klingelte das Handy meiner Freundin. “ ‘Günter’ war.drann. Er wird heute beschenkt und wollte fragen, ob ich auch kommen würde”. Vertrauen ist gut, Kontrolle besser, dachte ich.

Wir kamen an. Das Ziel war ein Hotel der mittleren Güteklasse. Einige Gäste hatten sich eingefunden. Smarter Sommersonntag-Look. Keine Krawatten, keine Abendkleider, wie bei guten Freunden eben. “Das ist Günter”. Meine Freundin nahm mich am Ärmel und zog mich hin. Günter erkannte sie und wandte mir einen prüfenden Blick zu. Der Blick war von jener Sorte, die Freundlichkeit mit Skepsis verbindet. Ich streckte ihm meine Hand entgegen. “Mein Name ist Meier”, sagte ich. Günter zuckte. “Ich bin Günter! Wir nennen uns nur mit Vornamen”. Meine Freundin klärte: “Wir wollen uns nicht offiziell anreden, uns statt dessen wie Freunde behandeln”. “Ah”, sagte ich. Günter wandte sich freundlich lächelnd ab und einer älteren hageren Frau zu, die mir später als Giesela vorgestellt wurde. Sie hatten offenbar vertrauliche Dinge zu bereden. Wir gingen hinein. Im Nebenzimmer standen Saft- und Wasserflaschen auf dem Tisch, kein Alkohol, keine Aschenbecher.

Teil 2
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